Funktionsweise der Open League

Inhaltsverzeichnis

1. Eine neue Liga neben der SwissNational League

Die SwissOpen League ist die neue Liga der SwissArchery Association, die den Clubs an der Delegiertenversammlung vom 29. November 2025 angekündigt wurde. Sie unterliegt dem Schweizer Turnierreglement – SwissOpen League, das vom Zentralvorstand am 13. April 2026 revidiert wurde und seit dem 1. Mai 2026 in Kraft ist. Sie greift eine in vielen anderen Sportarten bereits verbreitete Idee auf: neben dem Wettkampfzirkel einen für alle Mitglieder zugänglichen Begegnungsrahmen zu bieten. Die SwissNational League mit ihren technischen und reglementarischen Anforderungen, ihren Lizenzen, Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern sowie ihren Schweizer Meisterschaften Indoor, Outdoor, Field und 3D bleibt unverändert. Die beiden Ligen koexistieren und richten sich an unterschiedliche Zielgruppen.

2. Geist der Liga und Zielgruppe

Die SwissOpen League richtet sich an Bogenschützinnen und Bogenschützen, die bisher nur wenige oder gar keine direkten Angebote beim Verband fanden: Freizeit-Bogenschützinnen und -schützen, Anfängerinnen und Anfänger, Jugendliche, die sich mit anderen Jugendlichen austauschen möchten, ohne den Wettkampf anzustreben, sowie Menschen mit Behinderungen im Sinne der Inklusion. Das Reglement legt den Grundsatz explizit fest: Die Ermöglichung der Teilnahme auf allen Niveaus hat Vorrang vor der Leistung. Die Freude am gemeinsamen Schiessen, der Austausch zwischen den Clubs, die Pausen und das Beisammensein nach dem Wettkampf stehen ebenso im Mittelpunkt wie das Schiessen selbst. Ziel ist es auch, dass sich die Clubs vernetzen, voneinander lernen und Erfahrungen für die Organisation zukünftiger Turniere sammeln.

3. Teilnahmebedingungen

Die Teilnahmebedingungen sind bewusst auf ein Minimum reduziert. Es genügt, Mitglied des Verbandes zu sein und auf der Aktivmitgliederliste zu stehen; es ist keine Wettkampflizenz erforderlich. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer müssen Anfängerinnen und Anfänger oder Amateursportlerinnen und -sportler sein, die in der Lage sind, selbstständig zu schiessen, wobei die Inklusion eine Ausnahme von dieser letzten Anforderung darstellt. Die Wettkämpfe finden ohne Schiedsrichter, ohne Materialkontrolle, ohne Zeitmessung und ohne Zeitlimit statt. Im Gegenzug beruht alles auf der Sorgfaltspflicht und der Selbstdeklaration: Jede Person schreibt sich in der entsprechenden Kategorie und Bogenklasse ein, zählt ihre Punkte selbst und erfasst diese in der App des Verbandes, aktuell IANSEO Scorekeeper.

4. Bogenkategorien und Leistungsstufen

Es sind fünf Bogenkategorien vorgesehen: Compound, Olympic Recurve, Barebow, Bowhunter & Traditional und Historical & Longbow. Bogenschützinnen und Bogenschützen, die mit einem anderen Bogentyp schiessen, schreiben sich nach eigenem Ermessen in eine der bestehenden Kategorien ein. Das Reglement verzichtet auf Altersklassen und ersetzt diese durch zwei frei wählbare Leistungsstufen. Die Stufe Rookie vereint wenig erfahrene Teilnehmerinnen und Teilnehmer, Anfängerinnen und Anfänger sowie Personen mit eingeschränkter Mobilität; sie schiessen in der Regel auf kürzere Distanzen und auf grössere Auflagen. Die Stufe Advanced vereint erfahrene Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

5. Distanzen, Auflagen und Schiessformat

Die Distanzen und Auflagen sind in den Anhängen des Reglements festgelegt, Anhang A für die Halle und Anhang B für das Freie. In der Halle schiessen die Advanced auf 18 m und die Rookies auf 10 m; Compound und Olympic Recurve verwenden eine 60-cm-Auflage mit Spot, die anderen Kategorien eine 80-cm-Auflage. Im Freien schiessen die Advanced auf 30 m, ebenfalls auf eine 60-cm-Auflage mit Spot für Compound und Olympic Recurve und auf eine 80-cm-Auflage für die anderen Kategorien; die Rookies schiessen auf 20 m, auf eine 80-cm-Auflage für Compound und Olympic Recurve und auf eine 122-cm-Auflage für die anderen Kategorien. Der Wettkampf im Freien umfasst eine bis zwei Runden zu sechs Passen à sechs Pfeile. Alle Bogenkategorien schiessen gleichzeitig auf derselben Schiesslinie. Die Disziplinen Field und 3D stehen derzeit nicht auf dem Programm.

6. Umrechnungskoeffizient und Verzicht auf Ranglisten

Damit alle Bogenschützinnen und Bogenschützen trotz sehr unterschiedlicher Ausrüstungen in einer gemeinsamen Liste erscheinen können, führt das Reglement einen für jede Bogenkategorie spezifischen Umrechnungskoeffizienten ein: 0.65 für Compound, 0.7 für Olympic Recurve, 0.8 für Barebow, 0.9 für Bowhunter & Traditional und 1.0 für Historical & Longbow. Das erzielte Ergebnis wird mit diesem Koeffizienten multipliziert, um eine bereinigte Punktzahl zu erhalten. Das Reglement hält selbst fest, dass diese Berechnung nicht auf empirischen Daten beruht; sie zielt lediglich darauf ab, eine einfache Vergleichbarkeit zu bieten, ohne den Ablauf oder die Auswertung zu verkomplizieren. Diese Vergleichbarkeit bleibt im Übrigen eine Möglichkeit für Bogenschützinnen und Bogenschützen, die dies wünschen, und ist kein Selbstzweck: Die SwissOpen League erstellt keine Ranglisten, die Datenbank generiert lediglich eine alphabetische Teilnehmerliste, es werden keine Rekorde anerkannt und es werden keine Qualifikationen für die SwissNational League vergeben.

7. Organisation der Wettkämpfe

Die Organisation der Wettkämpfe obliegt den Clubs. Der Organisator meldet seinen Wettkampf dem Verband, der ihn im Turnierkalender veröffentlicht; alle reglementskonformen Wettkämpfe werden anschliessend in der Datenbank der SwissOpen League aufgeführt. Mit der Eintragung seines Wettkampfs in den Kalender akzeptiert der Organisator die Richtlinien der Ethik-Charta und verpflichtet sich, jederzeit die Ethik-Statuten des Schweizer Sports einzuhalten. SwissArchery stellt die Anmeldeformulare und Schiesszettel zur Verfügung; die Anmeldungen erfolgen direkt beim Organisator. Es ist kein Startgeld zulässig, aber der Organisator kann eine freiwillige und zweckgebundene Spendensammlung durchführen.

8. Sicherheit

Die Vereinfachung des Reglements erstreckt sich nicht auf die Sicherheit. Die Sicherheitsvorschriften müssen vollumfänglich eingehalten werden; der Organisator ist vollumfänglich für die Sicherheit des Schiessstandes und gegenüber Dritten verantwortlich, und jede teilnehmende Person ist für die Sicherheit ihrer Ausrüstung und Kleidung verantwortlich. Die Schiessfreigabe, das Einstellen des Schiessens und das Übertreten der Schiesslinie werden durch Sprachbefehle, durch Pfeifsignale (ein Pfiff für die Schiessfreigabe, drei Pfiffe für den Gang zu den Scheiben, fünf oder mehr Pfiffe oder ein Dauerton für den sofortigen Abbruch bei Gefahr) und im Sinne der Inklusion durch Flaggen angeordnet.

9. Weiterentwicklung des Reglements

Das Reglement ist so konzipiert, dass es sich mit der Praxis weiterentwickelt. Änderungen werden von der Delegiertenversammlung beschlossen, Athletinnen und Athleten können Vorschläge einreichen und die angenommenen Änderungen treten zu Beginn der auf die Versammlung folgenden Indoor- oder Outdoor-Saison in Kraft. Zudem werden innerhalb des Verbandes Cup-Formate, vergleichbar mit den Pins, geprüft. Die SwissOpen League ist somit kein starres System, sondern ein Rahmen, den die Clubs sowie die Bogenschützinnen und Bogenschützen eingeladen sind, mit Leben zu füllen.